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Eukalyptusblätter - Eucalypti folium [Ph. Eur. 7.0 (01/2008: 1320)]

Stammpflanze: Eucalyptus globulus LABILL. / Gewöhnlicher Eukalyptus. [Fam. Myrtaceae / Myrtengewächse]. Entsprechend Vorgängerversion des Europäischen Arzneibuchs waren allgemein Cineol-reiche Arten der Gattung Eucalyptus als Stammpflanzen zugelassen, unter diesen insbesondere Eucalyptus fruticetorum F. v. MUELLER und Eucalyptus smithii R. T. BAKER. Die Gattung Eucalyptus wird derzeit in rund 400 Arten untergliedert. Sämtliche Arten sind Holzgewächse. Neben einigen strauchförmigen Arten handelt es sich zumeist um stattliche Bäume, die eine Höhe von über 100 m erreichen können. Synonyme: E. globulus: Eucalyptus cordata MIQ., Eucalyptus diversifolia MIQ., Eucalyptus gigantea DEHN., Eucalyptus glauca DC., Eucalyptus globulus ST. LAG., Eucalyptus pulverulenta LINK. Dt. Synonyme: Blaugummibaum, Fieberbaum, Fieberheilbaum. Englisch: in Australien allgemein gum-tree (für Eukalyptus) bzw. Blue-gum-tree (für Eucalyptus globulus), ansonsten Australian blue-gum-tree, Fever-tree.
Botanische Beschreibung der Stammpflanze (E. globulus): Bis 60 m hoch werdender Baum. Stamm gedreht, Rinde silbergrau und zerstreut warzig. Die Blätter der jungen Pflanze und Primärblätter der älteren Pflanze sind blaugrün gefärbt, eirund bis länglich-lanzettlich, 5-8 cm lang und 2,5 bis 4,5 cm breit, am Grunde herzförmig, and der Spitze abgerundet mit kurzem Dorn, flach sitzend und stengelumfassend. Normalerweise fallen einem an der älteren Pflanze nur die Folgeblätter auf. Diese sind etwa 20 cm lang, besitzen eine sichelförmige, länglich-elliptische Gestalt, einen ca. 2 cm langen Stiel und hängen von den Zweigen herab. Typische Myrtaceen- Blüten, in denen die zahlreichen Staubblätter das auffälligste Merkmal darstellen. Kelchblätter fehlend.

Allgemeines: Eucalyptus globulus ist eine sehr schnell wachsende Pflanze, die dem Boden große Mengen Wasser entziehen kann. Daher wurde und wird die Pflanze in zahlreichen tropischen und subtropischen Ländern der Erde zum Trockenlegen von Sümpfen gepflanzt. Mit der Trockenlegung der Sümpfe werden der Anopheles-Mücke, die für die Übertragung der Malaria verantwortlich ist, die Brutmöglichkeiten entzogen. Daher stellt das Pflanzen von Eukalyptus-Bäumen eine wirkungsvolle Maßnahme zur Bekämpfung der Malaria dar, die volkstümlich auch als "Wechselfieber" bezeichnet wird. Davon leitet sich vermutlich der alternative Eukalyptusname "Fieberbaum" ab.

Verbreitung: Die Heimat sämtlicher Arten der Gattung liegt in Australien einschließlich Tasmanien. Dort sind sie in sämtlichen Klimazonen anzutreffen. Besonders dominierend sind die Eukalyptus-Arten in den Trockengebieten (strauchförmige Vertreter auf stark salzhaltigen Böden!) und halbtrockenen Gebieten. Seit etwa der Mitte des 18. Jahrhunderts erfolgte die weltweite Ansiedlung der baumförmigen Vertreter insbesondere in tropischen und subtropischen Regionen. Die Heimat von Eucalyptus globulus liegt im Regenwald der subtropischen Region im Südosten Australiens sowie in Tasmanien.

Droge: Die getrockneten ganzen oder geschnittenen Laubblätter (Folgeblätter) von älteren Zweigen, die bezogen auf die wasserfreie Droge einen Mindestgehalt an ätherischem Öl von 20 ml/kg (~ 2,0 %; Ganzdroge) oder 15 ml/kg (~ 1,5 %; Schnittdroge) aufweisen.

Beschreibung der Droge: Die Blätter sind ledrig, steif und relativ dick. Ihre Farbe ist graugrün und ihre Form länglich-elliptisch mit schwach sichelförmiger Biegung. Die Länge beträgt im Durchschnitt 25 cm, gelegentlich bis 40 cm, die Breite ca. 5 cm. Der Blattstiel besitzt eine Länge von etwa 2 cm, selten bis 5cm. Er ist in sich gedreht und stark gerunzelt. Die Blattspreite ist ganzrandig, der Spreitenrand glatt, gewellt und knorpelig verdickt. An der Spitze läuft die Spreite allmählich zu einer langgezogenen Spitze aus. Auffallend sind der an der Unterseite deutlich hervortretende Mittelnerv und die mit der Lupe im durchscheinenden Licht als helle Punkte erkennbaren Ölbehälter.

Geruch und Geschmack: Typischer Eukalyptusgeruch und -geschmack. Geruch wird vom Arzneibuch definiert als stark würzig-aromatisch, nach Cineol, der Geschmack als zunächst würzig, dann leicht zusammenziehend und schwach bitter.

Synonyme Drogenbezeichnungen: Deutsch: Blaugummibaumblätter, Fieberbaumblätter. Englisch: Blue-gum-leaves, Eucalyptus-leaves, Fever-tree-leaves. Lateinisch: Folia Eucalypti.

Herkunft: Ausschließlich aus dem Anbau, bevorzugt aus dem Bereich der Mittelmeer- und Schwarzmeerküste. Hauptlieferländer sind Spanien, Marokko und die GUS.

Inhaltsstoffe: Hauptinhaltstoff und zugleich für die Wirkung und Anwendung verantwortliche Komponente ist das ätherische Öl, dessen Gehalt zwischen 1,8 und 2,5 % beträgt. Weitere nennenswerte Inhaltsstoffe sind Wachse (Cuticularwachse), die zu etwa 0,5 % vorkommen. Ferner Flavonoide (freies Quercetin sowie dessen Glykoside) und die neuartige Substanzklasse der Acylphloroglucinolmono- bzw. Sesquiterpene mit Euglobal-III als Hauptkomponente. Wichtigster Bestandteil des ätherischen Öls ist das 1,8-Cineol (= Eucalyptol), dessen Gehalt im Durchschnitt 45 bis 75 % beträgt]. Neben Cineol finden sich im u. a. a- und ß-Pinen,  p-Cymen, Limonen, Geraniol und Camphen.

Wirkungen: Sekretomotorische, expektorierende und schwach spasmolytische Wirkung. Ferner zeigten sich antibakterielle Wirkungen gegen eine Vielzahl unterschiedlicher Testorganismen (Gram-positive und -negative Bakterien, verschiedene Pilze).

Anwendungsgebiete: Extrakte zur Einnahme und das ätherische Öl zur Inhalation bei Erkältungskrankheiten der oberen Luftwege.

Volkstümliche Anwendungsgebiete: Auch in der Volksheilkunde im Einklang mit den belegten Anwendungsgebieten bei Erkältung mit Erkrankungen der Luftwege. Darüber hinaus bei Beschwerden unterschiedlicher Art, wobei die Wirksamkeit nicht durch klinische Studien gesichert ist: In Europa innerlich u. a. bei Asthma, Fieber, Grippe, Keuchhusten, Appetitlosigkeit, dyspeptischen Beschwerden, Leber- und Gallenleiden, entzündlichen und infektiösen Erkrankungen von Niere und Blase, äußerlich u. a. bei Akne, Pusteln, schlecht heilenden Geschwüren und bei Zahnfleischbluten sowie Zahnfleischschmerzen. In anderen Regionen der Erde auch bei Krebs, Kopf- und Bauschmerzen, entzündlichen Erkrankungen der Genitalorgane und rheumatischen Beschwerden.

Gegenanzeigen: Entzündliche Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich und im Bereich der Gallenwege, schwere Lebererkrankungen. Bei Säuglingen und Kleinkindern bis zum vollendeten 2. Lebensjahr sollten Eukalyptuszubereitungen nicht im Bereich des Gesichts und speziell der Nase aufgetragen werden.

Unerwünschte Wirkungen: In seltenen Fällen können bei empfindlichen Personen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auftreten.

Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Eukalyptusöl und Cineol bewirken in der Leber Enzyminduktion. Dadurch kann die Wirkung anderer Medikamente abgeschwächt und/oder verkürzt werden. Bekannt ist ein beschleunigter Abbau von Aminopyrin, Amphetamin, Pentobarbital und Zoxazol durch Cineolgabe in Mensch und Ratte. Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch ist das Auftreten derartiger Wechselwirkungen kaum zu erwarten.

Dosierung und Art der Anwendung: Tagesdosis 4 bis 6 g der gepulverten Droge. Zur Teebereitung werden 1,5 bis 2 g fein zerschnittener Droge (1 Teelöffel entspricht etwa 1,8 g) mit kochendem Wasser übergossen, 5 bis 10 Minuten bedeckt stehen gelassen, dann abgeseiht und anschließend getrunken. Bei Anwendung als Dampfbades werden die zerkleinerten Eukalyptusblätter mit heißem Wasser überbrüht und die Dämpfe eingeatmet.

Sonstige Verwendung: Das ätherische Öl aus Eukalyptusblättern wird im reichlicher Menge als geschmacksgebender Bestandteil zur Herstellung von Eukalyptusbonbons verwendet, ferner auch im Haushalt zur Abtötung von Kleiderläusen, als Insektenabwehrmittel sowie in der kosmetischen Industrie.


Bilder:
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Eucalyptus globulus LABILL.: Die aus Köhler's Medizinalpflanzen stammende Abbildung zeigt sehr schön alle wichtigen Merkmale der Art. Neben den durch die zahlreichen Staubblätter geprägten Blüten fallen die unterschiedlich gestalteten Blätter besonders auf (rechts unten ein junger Zweig mit den mehr oder weniger eiförmigen Primärblättern, in der Mitte der Zweig mit den charakteristischen sichelförmigen Folgeblättern).

Die Abbildungen oben verdeutlichen nochmals die Unterschiede zwischen Primär- und Folgeblättern an einer lebenden Pflanze.

Literatur: Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band 5, Drogen E-O, Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg-New York 1994; M. Wichtl (Hrsg.), Teedrogen und Phytopharmaka, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart 1997; Monografie der Kommission E, Bundes-Anzeiger Nr. 177a vom 24.09.1986 und Nr. 50 vom 13.03.1990; Europäisches Arzneibuch 1997 und 5. Ausgabe, Grundwerk 2005.


© Thomas Schöpke